Limoncello neu gedacht: Reisetbauer Buddhas Hand

Es gibt Getränke, bei denen die Meinung schnell gemacht ist. Limoncello gehört oft dazu. Zu süß, zu gelb, zu künstlich, eher Urlaubserinnerung als ernsthafte Flasche für zu Hause. So ungefähr war auch unsere Ausgangslage. Nett vielleicht nach einem langen Essen in Süditalien, aber nichts, was zwingend ins Sortiment müsste.

Dann stand in Südtirol ein Glas Buddhas Hand Limoncello von Reisetbauer vor uns. Und die Sache war plötzlich weniger eindeutig.

Reisetbauer und die Sache mit der Frucht

Die Brennerei Reisetbauer aus Oberösterreich ist vor allem für ihre Brände bekannt. Hans Reisetbauer und inzwischen auch Hansi Reisetbauer arbeiten mit einer Genauigkeit, die man schmeckt: klare Frucht, kein Parfum, keine Schwere, keine vordergründige Süße. Diese Haltung ist bei einem Limoncello besonders wichtig, weil das Getränk im Kern sehr einfach ist. Es lebt von Zitrusfrucht, Alkohol, Wasser und Zucker. Wenn das Grundmaterial nicht gut ist, bleibt am Ende nur Süße und Aroma.

Bei diesem Limoncello ist die Frucht allerdings nicht irgendeine Zitrone. Reisetbauer verwendet Buddhas Hand, eine alte Zitrusfrucht mit auffällig fingerförmiger Gestalt. Sie besitzt kaum Fruchtfleisch, dafür eine dicke, extrem aromatische Schale. Die ganzen Früchte werden von Hand geschnitten und anschließend in Alkohol eingelegt – genauer gesagt in Weizenbrand aus eigener Herstellung. Es geht hier also nicht um zugesetztes Zitrusaroma, sondern um den Auszug einer besonderen Frucht in einem sorgfältig hergestellten eigenen Brand.

Warum dieser Limoncello anders wirkt

Der Buddhas Hand Limoncello von Reisetbauer hat 28 % Alkohol und bleibt trotzdem erstaunlich fein. Er duftet intensiv nach Zitruszeste, kandierter Schale, Blüten und einem Hauch Kräuterigkeit. Am Gaumen ist er weich, aber nicht klebrig; aromatisch, aber nicht laut. Die Süße ist da, wie es sich für einen Limoncello gehört, sie legt sich aber nicht schwer über die Frische.

Genau das macht den Unterschied. Dieser Limoncello wirkt nicht wie ein gelber Likör mit Zitronengeschmack, sondern wie ein präziser Auszug aus einer besonderen Zitrusfrucht. Das passt zu Reisetbauer: Auch hier geht es nicht um Effekt, sondern um saubere Aromatik, gutes Grundmaterial und Balance.

Auf Eis oder als Spritz

Klassisch wird Limoncello eiskalt nach dem Essen getrunken. Das funktioniert auch hier sehr gut, am besten direkt aus dem Kühlschrank oder auf Eis. Noch spannender wird er aber als sommerlicher Aperitif. Für einen Limoncello Spritz braucht es nicht viel: Limoncello, trockenen Prosecco oder einen frischen Schaumwein, etwas Soda und Eis. In der leichteren Variante stehen drei Teile Schaumwein, ein Teil Limoncello und ein Teil Soda im Glas. Intensiver wird es mit etwas mehr Limoncello.

Bei unserem Apéro kam er deshalb gleich doppelt auf den Tisch: pur auf Eis und als Spritz. Zwischen Schampus, Wein und Schallplatten ist das keine naheliegende, aber eine sehr überzeugende Ergänzung.

Vom Nein zum Ja

Manchmal braucht ein Sortiment keine weitere Kategorie, sondern nur eine Flasche, die eine alte Meinung verschiebt. Der Buddhas Hand Limoncello von Reisetbauer hat genau das geschafft. Kein Süßkram, kein Souvenir, keine gelbe Pointe. Sondern ein klarer, duftiger, ernsthaft guter Limoncello, der zeigt, wie viel Unterschied Herkunft, Frucht und handwerkliche Präzision machen können.